- Es gilt das gesprochene Wort -                               

Hauptversammlung 2012

Rede von Dr. Henning Kreke,
Vorsitzender des Vorstandes DOUGLAS HOLDING AG

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
sehr geehrte Miteigentümer,
liebe Freunde der DOUGLAS-Gruppe,

im Namen des Vorstandes der DOUGLAS HOLDING AG begrüße auch ich Sie sehr herzlich zu unserer diesjährigen Hauptversammlung. Wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um sich hier in Essen ausführlich über die Entwicklung Ihres Unternehmens zu informieren und bedanken uns für Ihr Vertrauen.

Ich vermute, dass Sie sich mehr für die tagesaktuellen Themen rund um die DOUGLAS-Gruppe interessieren. Dennoch möchte ich Sie zunächst über das abgelaufene Geschäftsjahr informieren. Ich werde mich dazu aber so kurz wie möglich fassen und mich dann – ebenso wie bereits zuvor mein Vater – zu den aktuellen Themen äußern.

Das Jahr 2011 war ein bewegtes Jahr, das viele Unternehmen im Handel vor große Herausforderungen gestellt hat. Dabei standen in vielen europäischen Ländern die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf das Konsumverhalten im Mittelpunkt.Auch die DOUGLAS-Gruppe war von dieser Entwicklung betroffen – insbesondere in Südeuropa. Trotzdem haben wir uns im abgelaufenen Geschäftsjahr recht achtbar geschlagen.

Der Konzernumsatz stieg um 1,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Die Umsatzentwicklung lag damit nur knapp unter unserer Zielmarke von 2 bis 4 Prozent. Die Gründe für die leichte Zielunterschreitung lagen neben der schwachen Entwicklung in einigen Auslandsmärkten vor allem in unserem Buchbereich. Dort vollzieht sich gerade weltweit ein gravierender Strukturwandel, der sich auch bei Thalia bemerkbar macht. Daher wurden die Planzahlen unserer Buchsparte recht deutlich unterschritten. Insgesamt konnte die DOUGLAS-Gruppe im wichtigen Heimatmarkt Deutschland aber ein Umsatzplus von 4 Prozent erzielen. Vor allem unsere Douglas-Parfümerien und unsere Christ-Juweliergeschäfte legten kräftig zu und konnten weitere Marktanteile hinzugewinnen.

Während sich die Umsätze im Inland positiv entwickelten, lagen die Auslandsumsätze in der DOUGLAS-Gruppe um 2,5 Prozent unter dem Vorjahr. Dieser Rückgang ist insbesondere auf die Marktaustritte von Douglas aus Russland, den USA und Dänemark zurückzuführen. Bereinigt um diese Länder konnte der Auslandsumsatz um 1,9 Prozent gesteigert werden – ein erstes Indiz dafür, dass wir im Ausland offenbar wieder auf dem richtigen Weg sind. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) erreichte mit 138 Millionen Euro knapp unser Ergebnisziel von rund 140 Millionen Euro. Unsere EBT-Marge lag mit 4,1 Prozent leicht über dem Vorjahreswert von 4,0 Prozent. Und der Konzern-Jahresüberschuss stieg um 11 auf 87 Millionen Euro. Das führte zu einer Steigerung beim Ergebnis je Aktie von 1,93 Euro auf 2,20 Euro.

An dieser – alles in allem – recht ordentlichen Entwicklung der DOUGLAS-Gruppe haben unsere über 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den größten Anteil. Sie haben mit ihrer Herzlichkeit, Kompetenz und Servicebereitschaft unsere Kundinnen und Kunden einmal mehr von unseren attraktiven Fachgeschäften überzeugt. Und sie haben sie gleichzeitig für das unkomplizierte und bequeme Einkaufen in unseren Online-Shops begeistert. Für dieses großartige Engagement möchte ich mich – auch im Namen meiner Vorstandskollegen und ich denke auch in Ihrer aller Namen – bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich bedanken.

Zusammen mit meiner Vorstandskollegin Anke Giesen freut es mich besonders, dass wir im Ausbildungsjahr 2011 deutschlandweit 720 neue Auszubildende in der DOUGLAS-Gruppe begrüßen konnten. Damit wurde die Bestmarke des Vorjahres noch mal um 50 übertroffen. Die insgesamt fast 1.800 jungen Berufsanfänger erhalten durch die praxisnahe Ausbildung in unseren Fachgeschäften oder unseren Service-Zentralen eine solide Basis für ihren weiteren Karriereweg. Unsere Ausbildungsquote liegt mit rund 14 Prozent weiter deutlich über dem Branchenschnitt des deutschen Handels. Damit unterstreicht die DOUGLAS-Gruppe ihr großes Engagement in der Ausbildung junger Menschen.

Doch kommen wir zurück zu den Kennzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres:
Ein Blick auf unsere Bilanzstruktur zeigt, dass die DOUGLAS-Gruppe auch weiterhin kerngesund und solide finanziert ist. Die Bilanzsumme lag zum Geschäftsjahresende mit rund 1,7 Milliarden Euro um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichwohl hat sich die Kapitalstruktur weiter verbessert: Das Eigenkapital stieg von 765 auf über 800 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich von 45 auf solide 48 Prozent der Bilanzsumme. Und die Nettoverschuldung – ein Lieblingsthema meines Vorstandskollegen Dr. Burkhard Bamberger – konnte zum Bilanzstichtag gegenüber dem Vorjahr noch einmal reduziert werden. Sie lag bei rund 50 Millionen nach 124 Millionen Euro zum Vorjahresstichtag.

Der Free Cash Flow – also der Saldo aus Mittelzuflüssen und Mittelabflüssen aus laufender Geschäfts- und Investitionstätigkeit – lag mit 127 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Investitionen lagen mit 117 Millionen Euro in etwa auf Vorjahresniveau. Investiert wurde in die Eröffnung von insgesamt 64 neuen Filialen im In- und Ausland, die Erweiterung und Modernisierung des bestehenden Filialnetzes und den Ausbau unserer eCommerce-Aktivitäten. Allerdings reduzierte sich die Anzahl unserer Filialen aufgrund von 72 Filialschließungen und des Verkaufs unserer 32 Parfümerien in Russland von insgesamt 1.973 auf 1.928 Filialen.

Lassen Sie mich nun kurz zur Entwicklung in den einzelnen Geschäftsbereichen kommen:

Unsere Douglas-Parfümerien haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr gut behauptet. Denn obwohl sich die Zahl unserer Parfümerien insbesondere durch den Verkauf des Russlandgeschäftes reduzierte, erzielte Douglas mit 1,9 Milliarden Euro Umsätze auf Vorjahresniveau.

Im wichtigen Heimatmarkt Deutschland bauten die 446 Douglas-Parfümerien ihre marktführende Position mit einem Umsatzplus von 4,6 Prozent auf über 990 Millionen Euro weiter aus. Im Ausland lagen die Umsätze der 722 Douglas-Parfümerien allerdings mit knapp 890 Millionen Euro um 4,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auf Basis des aktuellen Länderportfolios – also bereinigt um die Marktaustritte aus Russland, USA und Dänemark – konnten die Auslandsumsätze jedoch um 0,7 Prozent gesteigert werden.

Ein echter Knüller war die Entwicklung unserer Online-Umsätze im Parfümeriebereich. Sie stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr allein in Deutschland um sage und schreibe rund 32 Prozent auf 65 Millionen Euro. Damit ist unser Online-Shop douglas.de mit großem Abstand unsere umsatzstärkste und rentabelste Filiale.

Das EBT im Geschäftsbereich Parfümerien stieg von 88 Millionen Euro auf 108 Millionen Euro. Ursache für diesen Ergebnisanstieg war der Einmalertrag aus der Veräußerung der Parfümerieaktivitäten in Russland. Wie im Vorjahr waren darüber hinaus im Berichtszeitraum hohe außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen. Diese betrafen im abgelaufenen Geschäftsjahr mit knapp 23 Millionen Euro Geschäfts- und Firmenwerte in Frankreich.

Die Anzahl unserer Douglas-Parfümerien ging durch den Ausstieg aus Dänemark, den USA und Russland von 1.205 auf 1.168 zurück. Dennoch verfügt Douglas nun wieder über ein kerngesundes Filialnetz mit Wachstumspotenzial. Alles in allem blickt Douglas auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Darauf dürfen Sie, lieber Herr Unkel, und ihr gesamtes Team zu Recht stolz sein.

Im Buchbereich sah sich die Thalia-Gruppe – wie der gesamte klassische Buchhandel – mit starken Veränderungen im Kaufverhalten der Kunden konfrontiert. Zum einen kaufen immer mehr Kunden Bücher „online“. Zum anderen gewinnt das digitale Buch – also das eBook– zunehmend an Bedeutung. Diese beiden Entwicklungen stellen den gesamten stationären Buchhandel vor große Herausforderungen.

Die Thalia-Gruppe konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre Umsätze zwar um insgesamt 3,2 Prozent auf 935 Millionen Euro steigern. Dabei gingen die Umsätze unserer 295 Thalia-Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz allerdings um 1,5 Prozent zurück. Die Online-Umsätze stiegen hingegen recht deutlich um über 20 Prozent. Damit entfallen etwa 14 Prozent des Thalia-Gesamtumsatzes auf das Internet. In Deutschland erhöhten sich die Gesamt-Umsätze von Thalia um 2,0 Prozent auf 704 Millionen Euro. Auch hier wirkten sich die gestiegenen Online-Erlöse positiv aus. Im Ausland stiegen die Gesamt-Umsätze – vor allem durch Währungseffekte und Neueröffnungen –sogar um 6,8 Prozent auf 231 Millionen Euro.

Trotzdem verfehlte Thalia mit einem EBT von 5 Millionen Euro das Vorjahresergebnis um 20 Millionen Euro. Auch nach Eliminierung des Einmalertrages aus der Neubewertung der buch.de-Aktien im Vorjahr verringerte sich das Ergebnis um 14 Millionen Euro. Da Thalia mit diesem Ergebnisrückgang zum zweiten Mal hintereinander seine Kapitalkosten nicht mehr verdient, steht das gesamte Thalia-Team um Bereichsvorstand Michael Busch vor großen Herausforderungen. Aber dazu später mehr ...

Anders als bei Thalia war die Entwicklung in unserem Geschäftsbereich Schmuck abermals sehr erfreulich. Christ ist nun schon im fünften Jahr in Folge kontinuierlich und kräftig gewachsen. Mit einem respektablen Wachstum von fast 10 Prozent stiegen die Umsätze von 310 auf über 340 Millionen Euro. Damit baute Christ seine führende Marktposition in Deutschland weiter aus. Zur guten Umsatzentwicklung trug auch der im Jahr 2011 neu konzipierte Online-Shop christ.de bei. Dieser Online-Shop ist vom Umsatzvolumen mittlerweile unter den Top 10-Filialen von Christ zu finden.

Der Schmuckbereich steigerte das EBT deutlich von 17 auf 26 Millionen Euro. Die EBT-Marge verbesserte sich auf 7,5 Prozent. Damit ist der Schmuckbereich die profitabelste Sparte in der DOUGLAS-Gruppe. Hier hat das gesamte Christ-Team um Bereichsvorstand Manfred Kroneder ganz hervorragende Arbeit geleistet.

Auch AppelrathCüpper hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr gut behauptet. Die Umsätze der Damenmodehäuser stiegen um 0,3 Prozent auf 125 Millionen Euro. Bereinigt um das im Januar 2011 geschlossene Haus in Solingen betrug der Umsatzanstieg 1,4 Prozent. Die Kundinnen honorieren zunehmend die im Jahr 2008 eingeleitete und konsequent fortgeführte Neupositionierung zum Haus der Marken unter der Händlermarke „AC“. Der Geschäftsbereich Mode erzielte nach dem ausgeglichenen Ergebnis im Vorjahr nun ein EBT in Höhe von knapp 1 Million Euro.

Zu guter Letzt blicken unsere Hussel-Confiserien auf ein Jahr der Neuausrichtung zurück. Die Umsätze von Hussel lagen aufgrund einiger Filialschließungen mit 98 Millionen Euro um 1,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auf vergleichbarer Fläche entwickelten sich die Umsätze aber leicht über dem Vorjahresniveau. Das EBT im Süßwarenbereich verfehlte mit knapp 2 Millionen das Vorjahresergebnis um 1 Million Euro.

Obwohl sich die einzelnen Sparten der DOUGLAS-Gruppe mit dieser Entwicklung insgesamt recht achtbar geschlagen haben, stehen wir mit Thalia leider vor großen Herausforderungen: Unsere Buchhandelssparte hat sich – beginnend mit dem Zusammenschluss von Phönix und Thalia im Jahr 2001 – in den letzten zehn Jahren zur Nummer 1 im stationären deutschsprachigen Buchhandel hochgearbeitet. Die Erfolgsfaktoren auf diesem Weg waren: hohe Beratungskompetenz der sympathischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verkaufsfördernder Ladenbau, Filialen mit Platzhirschcharakter und eine beeindruckende Sortimentskompetenz.

Aber bereits im Jahr 2010 zogen erste dunkle Wolken am Buchhandelshorizont auf. Zunächst nur in den USA, wo Books & Borders – mit 13 Prozent Marktanteil – in Schieflage geriet und dann im Jahr 2011 komplett vom Markt verschwand. Grund für dieses Scheitern war der durch den Online-Händler Amazon ausgelöste Trend, Bücher vermehrt online zu kaufen. Zudem werden Bücher zunehmend in digitaler Form als so genannte eBooks über eReader gelesen. Auf dieses geänderte Konsumverhalten konnte in den USA Books & Borders mit seinen großen Sortimentsbuchhandlungen nicht schnell genug reagieren und wurde schließlich liquidiert.

Durch die deutsche Brille betrachtet, schien Amerika zunächst noch ganz weit weg. Auch weil es dort keine Buchpreisbindung gibt. Daher hat kaum jemand in der Branche damit gerechnet, dass die US-Welle so schnell über den großen Teich auch nach Deutschland schwappen würde. Tatsache ist aber, dass der Online-Händler Amazon mittlerweile auch in Deutschland die Marktführerschaft im Buchhandel übernommen hat – mit anhaltend hohen Zuwachsraten.

Wie viele andere Buchhändler war daher auch Thalia gezwungen, schnell auf die veränderten Kundenwünsche zu reagieren: Die Online-Shops wurden ausgebaut und mit neuen Funktionen versehen. Mit dem OYO wurde ein eigener eReader auf den Markt gebracht und die Zahl der digitalen Titel im Thalia-Online-Shop deutlich erhöht. Und in den Buchhandlungen wurde die Kernkompetenz „Buch“ um attraktive Zusatzsortimente erweitert. Zwar konnte Thalia die rückläufigen Buchumsätze in den Buchhandlungen durch zweistellige Zuwächse im Online-Handel und Umsatzsteigerungen mit Zusatzsortimenten bisher einigermaßen kompensieren. Aber das Internetgeschäft ist margenschwächer und die zusätzlichen Marketingmaßnahmen zur Neukundengewinnung kosten viel Geld – und leider auch Ergebnis.

Mit Blick in die Zukunft ist nun zu erwarten, dass sich die Buchumsätze im deutschsprachigen stationären Buchhandel in den nächsten Jahren weiter in Richtung Internet, Digitalisierung und Mobile Shopping verlagern. Wo gestern noch Weltbild, Hugendubel oder die Mayersche die wichtigsten Wettbewerber von Thalia waren, ist jetzt Amazon das Maß der Dinge.

In den letzten Wochen ist daher viel über die Neuausrichtung von Thalia spekuliert worden. Richtig ist, dass diese Analyse jetzt abgeschlossen und in der letzten Woche dem Aufsichtsrat vorgestellt wurde. Das Ergebnis: Thalia hat weder ein Konzept- noch ein Personalproblem. Thalia hat ein Flächenproblem! Thalia hat zu viel Fläche; Thalia hat zu große Flächen! Nicht überall – aber doch an einer Reihe von Standorten. Und dort gilt es nun, zügig passende Lösungen zu finden. Diese Flächen müssen kleiner werden. Das kann geschehen durch Flächenteilung, durch Untervermietungen, durch Stilllegungen von Teilflächen und – wo alles nichts hilft – durch Schließung. Parallel dazu soll die Flächenproduktivität durch den moderaten Ausbau von Zusatzsortimenten stabilisiert werden.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen gibt es jedoch leider nicht zum Null-Tarif. Aus heutiger Sicht rechnen wir mit erforderlichen Rückstellungen von rund 40 Millionen Euro. Darüber hinaus erwarten wir Wertberichtigungen von rund 130 Millionen Euro, die sich aus der Bereinigung bilanzieller Wertansätze aus der Vergangenheit ergeben. Erfreulicherweise hat die Analyse aber ergeben, dass Thalia nach einer erfolgreichen Restrukturierung in einigen Jahren wieder ein positives EBT-Ergebnis und auch die Kapitalkosten erwirtschaften kann. Zu bedenken ist jedoch, dass der Weg dahin lang, zäh und steinig ist.

Auf diesem Weg wird uns leider unser langjähriger Thalia-Miteigentümer Herr Könnecke nicht begleiten. Er hat uns letzte Woche mitgeteilt, dass er - aus familieninternen Gründen - seinen 25 Prozent-Anteil an Thalia an uns verkaufen wird. Wir bedauern diese Entscheidung sehr, möchten uns aber gleichzeitig für die vielen Jahre der vertrauensvollen Zusammenarbeit bei Herrn Könnecke bedanken.

Trotz dieser großen Herausforderungen im Buchbereich schlagen Aufsichtsrat und Vorstand Ihnen – sehr verehrte Miteigentümer – heute vor, aufgrund der insgesamt soliden Ergebnisentwicklung der DOUGLAS-Gruppe für das abgelaufene Geschäftsjahr erneut eine Dividende von 1,10 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie auszuschütten. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von exakt 50 Prozent des Konzernjahresüberschusses und damit punktgenau unserer langfristigen Zielmarke.

Soviel zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Ich möchte nun auf zwei Themen eingehen, die uns alle sehr bewegen und die Sie heute wahrscheinlich am meisten interessieren. Zum einen das Engagement von Herrn Erwin Müller und zum anderen die Überlegungen meiner Familie. Herr Müller hält seit einiger Zeit gut zehn Prozent der Aktien an der DOUGLAS HOLDING AG. Seit Februar 2012 gelten nun neue Bestimmungen des Wertpapierhandelsgesetzes, nach denen Aktionäre auch über indirekte Geschäfte mit Aktien informieren müssen. In diesem Zusammenhang hat Herr Müller die DOUGLAS HOLDING informiert, dass er Stillhalter von sogenannten Verkaufs-Optionen ist. Das heißt, dass ihm in nächster Zeit von dritter Seite weitere Aktien im Volumen von rund 15 Prozent angedient werden könnten. Ob und gegebenenfalls wann dies der Fall sein wird, können wir aus Sicht der DOUGLAS HOLDING nicht beurteilen.

Auch werden wir des Öfteren gefragt, welche Beweggründe Herr Müller denn für diese Aktientransaktionen hat. Aber – Hand aufs Herz: Wir wissen es nicht! Bekannt ist uns lediglich eine früher geäußerte Absichtserklärung von Herrn Müller, mit unseren Douglas-Parfümerien in den Bereichen Logistik und Einkauf zusammenarbeiten zu wollen. Zu beiden Punkten haben wir unsere Position bereits mehrfach deutlich gemacht. Daher möchte ich sie heute – zumindest in dieser Rede - nicht nochmals wiederholen. Gleichwohl möchte ich an dieser Stelle eines klarstellen. Die Unternehmen Müller und Douglas sind zwar Wettbewerber und wir liegen uns als solche sicher nicht täglich in den Armen. Wir begegnen uns aber dennoch sehr wohl mit dem gebotenen Respekt vor der Leistung des jeweils anderen.

Als langfristig orientierter Aktionär ist uns Herr Müller daher ebenso herzlich willkommen wie jeder andere Aktionär auch. Wichtig erscheint uns in diesem Zusammenhang lediglich, dass Herr Müller respektiert, dass die Unternehmenskultur der DOUGLAS-Gruppe auf anderen Werten aufbaut als die Unternehmenskultur von Müller. Beide Unternehmenskulturen sind erfolgreich; aber unsere Führungskräfte und Mitarbeiter schätzen nun einmal die Unternehmenskultur der DOUGLAS-Gruppe. Und diese Unternehmenskultur gilt es zu schützen. Dafür stehen wir – und hier meine ich an vorderster Front meinen Vater und mich – mit Nachdruck ein. Das sehen wir nicht nur als unsere Pflicht an, sondern das ist für uns eine echte Herzensangelegenheit!

Und damit komme ich nun zu den Überlegungen der Familie Kreke: In der letzten Zeit standen wir – und ich spreche hier jetzt nicht in meiner Rolle als Vorsitzender des Vorstandes, sondern als Mitglied der Familie Kreke – also wir standen in den letzten Monaten wiederholt unter dem Eindruck, dass die Aktienmärkte die DOUGLAS-Gruppe nicht angemessen bewerten. Konkret empfanden wir unsere Aktie gegen Ende letzten Jahres als unterbewertet und sahen damit das Ansehen der DOUGLAS-Gruppe und auch unsere Unternehmenskultur in Gefahr. Denn wir hatten die Befürchtung, dass die DOUGLAS-Aktie möglicherweise zu einer volatilen „Zirkusaktie" verkommt. Das Prestige dieses tollen Unternehmens, der Stolz unserer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Werte der DOUGLAS-Gruppe – all das drohte, aufgrund des externen Fokus auf die weltweite Schieflage der Buchbranche, zerstört zu werden.

Wir haben vor diesem Hintergrund innerhalb der Familie intensiv überlegt, wie wir das Unternehmen und unsere Werte schützen können. Ein Ergebnis war dabei, dass es eventuell Sinn machen könnte, unsere Anteile aufzustocken, um unseren Einfluss weiter zu erhöhen. Da wir ein solches Vorhaben aber beim besten Willen als Familie nicht alleine stemmen können, haben wir Gespräche mit ausgewählten Finanzpartnern geführt, die Weggefährten auf unserem Weg sein könnten.

Dabei war uns klar, dass Finanzinvestoren als mögliche Partner nur Weggefährten auf Zeit sind und ganz konkrete Renditevorstellungen haben. Ein Weggefährte auf Zeit kann aber helfen, in herausfordernden Zeiten – wie wir sie ja gerade erleben – eine Brücke in die Zukunft zu bauen. Und konkrete Renditevorstellungen hat die DOUGLAS-Gruppe bereits heute schon. Denn im Rahmen unserer wertorientierten Wachstumsstrategie müssen alle unsere Tochtergesellschaften nachhaltig ihre Kapitalkosten verdienen.

Dennoch: Wir werden – wenn überhaupt – nur mit einem Finanzinvestor zusammenkommen, mit dem eine größtmögliche Überschneidung mit unseren Interessen besteht. Auch wenn wir hier und da sicher ein paar Zugeständnisse machen müssten – keine Zugeständnisse unsererseits wird es hinsichtlich der Unternehmenskultur und der Unternehmenswerte der DOUGLAS-Gruppe geben. Und wir wollen die DOUGLAS-Gruppe auch nicht zerschlagen! Vielmehr werden wir – so oder so – an unserem langjährigen Unternehmensmotto „Handel mit Herz und Verstand“ festhalten. Das Herz steht dabei für den fairen Umgang mit unseren Partnern – also mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unseren Geschäftspartnern und unseren Miteigentümern. Und der Verstand steht für unseren Anspruch, in allen Tochtergesellschaften die Kapitalkosten zu verdienen. Das ist ganz wichtig, um die nachhaltig erfolgreiche Weiterentwicklung der DOUGLAS-Gruppe zu sichern und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten zu können.

Im Zusammenhang mit diesen Überlegungen möchte ich im Übrigen klarstellen, dass wir uns von Anfang an des Interessenkonfliktes zwischen unserer Rolle als „Familie Kreke“ und als „Organe der Gesellschaft“ sehr wohl bewusst waren. Wir haben uns deshalb von Beginn an von zwei unabhängigen Anwaltssozietäten beraten lassen – die Familie Kreke von Pöllath & Partner aus München und die DOUGLAS-Gruppe von Linklaters aus Düsseldorf. Ferner habe ich mich an Beschlussfassungen im Vorstand, die mit den Überlegungen der Familie Kreke in Verbindung standen, nicht beteiligt und werde dies auch zukünftig nicht tun. Um jegliche Interessenkonflikte bereits im Ansatz auszuschließen, wurde und wird Ihr Unternehmen in diesem Zusammenhang ausschließlich durch meine Vorstandskollegen Dr. Bamberger und Frau Giesen vertreten.

Abschließend möchte ich klarstellen, dass es nie zwingendes Ziel unserer Gespräche war, die DOUGLAS-Gruppe von der Börse zu nehmen. Dies ist aber auch kein Szenario, das wir im Ergebnis ablehnen würden. Ein eventuelles Delisting stünde aber – wenn überhaupt – ganz am Ende einer langwierigen Entwicklung, deren weiteren Verlauf wir derzeit nicht abschätzen können. Als unsere internen Überlegungen durch eine Indiskretion öffentlich wurden, haben wir sofort mit einer adhoc-Meldung gemäß §15 Abs.1 WpHG reagiert. Wie Sie sich vorstellen können, war das Bekanntwerden unserer Überlegungen für unsere Pläne nicht gerade förderlich. Ob und wann es überhaupt zu einer Transaktion kommt, ist daher weiterhin absolut offen. Soviel zu diesem Themenbereich.

Nun möchte ich noch kurz auf das operative Tagesgeschäft eingehen! Soviel vorab: Die DOUGLAS-Gruppe liegt nach den ersten fünf Monaten des aktuellen Geschäftsjahres weiter auf Kurs! Der Konzernumsatz stieg um 1,3 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro; vergleichbar entspricht dies einer Umsatzsteigerung von 1,7 Prozent.

Weiterhin erfreulich war dabei die Entwicklung im wichtigen Heimatmarkt Deutschland. Hier erzielten wir ein Umsatzplus von insgesamt 3,1 Prozent und vergleichbar von 3,2 Prozent. Die Auslandsumsätze gingen hingegen um 2,3 Prozent und vergleichbar um 1,5 Prozent zurück. Die Umsätze der Online-Shops stiegen um rund 18 Prozent weiter stark an. Ein Blick auf die Geschäftsbereiche zeigt, dass die Douglas-Parfümerien in den ersten fünf Monaten – trotz der Veräußerung der russischen Parfümerien – die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent steigern konnten. Auch hier war die Entwicklung in Deutschland mit plus 5,0 Prozent besonders erfreulich. Die Thalia-Gruppe musste hingegen Umsatzrückgänge um 0,6 Prozent hinnehmen. Überdurchschnittlich gut entwickelten sich wieder einmal unsere Christ-Juweliergeschäfte mit einem Umsatzplus von – sage und schreibe – 10,6 Prozent. Die AC-Modehäuser verzeichneten hingegen ein Umsatzminus von 3,3 Prozent. Erfreulicherweise steigerten aber unsere Hussel-Confiserien ihre Umsätze in den ersten fünf Monaten um 1,0 Prozent.

Mit einer Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent sind wir kerngesund finanziert und gut gerüstet, um auch zukünftig wertorientiert wachsen zu können. Für das laufende Geschäftsjahr steht dafür ein Investitionsvolumen von rund 120 Millionen Euro zur Verfügung. Im stationären Bereich fließt dieses Budget sowohl in die Eröffnung von etwa 50 neuen Fachgeschäften als auch in die Modernisierung unseres bestehenden Filialnetzes im In- und Ausland. Bei Douglas sind 40 neue Parfümerien geplant; im Buch-, Schmuck- und Süßwarenbereich sind jeweils fünf Neueröffnungen, im Modebereich keine Neueröffnungen vorgesehen.

Darüber hinaus werden wir im Rahmen unserer Multichannel-Strategie weiter kräftig in den kontinuierlichen Auf- und Ausbau unserer Online-Shops, die Aktivitäten im Social Web sowie in das Mobile-Shopping investieren. Hier liegt die größte Chance, aber gleichzeitig auch die größte Herausforderung für uns alle im Handel. Obwohl wir hier insbesondere mit Douglas und Christ schon recht gut aufgestellt sind, wissen wir nicht erst seit den Erfahrungen bei Thalia, dass wir beim Thema „Multichannel“ noch schneller werden müssen, um auch künftig im Handel ganz vorne dabei sein zu können.

In diesem Zusammenhang ist es mir eine große Freude, Ihnen heute mitteilen zu können, dass uns spätestens ab April nächsten Jahres Herr Nicholas Denissen als Bereichsvorstand eCommerce verstärken wird. Der gebürtige US-Amerikaner arbeitete nach einem Bachelor of Science in Elektrotechnik und einem MBA in verschiedenen Unternehmen in der IT- und Medienbranche. Seit Ende 2006 ist er für Amazon in München tätig; seit 2010 als Vice President Media. Wir freuen uns schon heute sehr auf die Zusammenarbeit mit Herrn Denissen.

Über die weiteren Veränderungen im Bereichsvorstand Parfümerien der DOUGLAS-Gruppe hat mein Vater ja bereits berichtet. Auch wir im Vorstand bedauern, dass Herr Unkel uns verlassen wird, respektieren aber natürlich seine Entscheidung und wünschen ihm beruflich und privat alles Gute für die Zukunft.

Erfreulicherweise haben wir mit Manfred Kroneder einen äußerst kompetenten Nachfolger aus unseren eigenen Reihen gefunden. Wir wünschen uns nun gemeinsam, dass ihm bei Douglas eine ähnliche Erfolgsstory gelingt wie zuletzt bei Christ. Die Messlatte, lieber Herr Kroneder, liegt hoch. Aber wir alle werden Sie von Anfang an dabei unterstützen, die Douglas-Parfümerien für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft auszurichten und die gesteckten Ziele zu erreichen.

Die gesteckten Ziele wollen wir in der DOUGLAS-Gruppe natürlich auch im laufenden Geschäftsjahr erreichen. Aufgrund der eben skizzierten ordentlichen Entwicklung in den ersten fünf Monaten hält der Vorstand an der im Geschäftsbericht abgegebenen Prognose fest.

Demnach erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr eine leichte Steigerung beim Konzernumsatz auf über 3,4 Milliarden Euro und – unter Berücksichtigung der anstehenden Restrukturierungsaufwendungen bei Thalia – ein EBITDA von 200 bis 250 Millionen Euro. Die anstehenden Rückstellungen und Wertberichtigungen im Buchbereich lassen jedoch leider erwarten, dass wir beim Ergebnis - also beim EBT - in diesem Jahr kräftig zurückstecken müssen. Dabei ist zu erwarten, dass dies auch Auswirkungen auf die Dividende haben wird. Über den Dividendenvorschlag werden Aufsichtsrat und Vorstand jedoch erst auf ihrer Sitzung im Dezember 2012 beraten, wenn die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/2012 vorliegen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, was auch immer in den nächsten Wochen und Monaten kommen mag, seien Sie bitte versichert, dass wir gemeinsam alles tun werden, um unsere seit mehr als 40 Jahren gelebten Unternehmenswerte zu erhalten. Nachdem mein Großvater Herbert Eklöh und mein Vater das Unternehmen seit der Gründung in 1949 lange Jahre geführt und begleitet haben, befinden wir uns mittlerweile in der dritten Generation. Die langjährigen Aktionäre unter wissen daher, dass das Engagement unserer Familie seit jeher auf den langfristigen Erfolg ausgerichtet ist. Und das wird auch so bleiben! Das verspreche ich Ihnen als Vorsitzender des Vorstands und als Teil der Familie Kreke. Für uns ist die DOUGLAS-Gruppe eine echte Herzensangelegenheit.

Tagesordnung

Erläuterung zu TOP 1

Erläuterungen zu den Rechten der Aktionäre

Jahresabschluss der
DOUGLAS HOLDING AG


Geschäftsbericht 2010/11
(inkl. Konzernabschluss)



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